Geschichte des Ratskellers

Die Geschichte des Ratskellers

DER RATSHERRN TRUNK IST ERNSTE PFLICHT, DENN TROCKNE LAMPE LEUCHTET NICHT


Der Löbauer Ratskeller kann auf eine Tradition zurückblicken, die bis in die Zeit zwischen 1460 und 1470 zurückgeht, als der Kaiser der Stadt Löbau das Recht des Weinschenkens zugestand. 
Im Laufe der Jahrhunderte änderte der Ratskeller immer wieder seine Gestalt. So auch mit den Bauarbeiten für die Wiedereröffnung im Jahr 2010. Im Wesentlichen wurden die Veränderungen der Umbauten aus den 1930er und 1970er Jahren rückgängig gemacht. Dadurch konnten alte Raumstrukturen und Bezeichnungen wiederbelebt werden.
Kernstück des „neuen“ Ratskellers ist die beeindruckende Gewölbehalle der früheren „Ratswaage“. Hier wurden früher alle in Löbau gehandelten Waren der Händler auf einer geeichten Waage gewogen. Für den Handel hatte sie somit eine große Bedeutung. Der Waagemeister erhielt dafür vom Rath eine streng einzuhaltende „Instruction“. Als die Ratswaage später an den jeweiligen Ratskellerpächter übergeben wurde, stellte sie für ihn eine zusätzliche Verdienstmöglichkeit dar.
1867 versetzte man die Waage aus dem Rathaus in das „Aichamtslocal“ in der Johannisstraße. Diese Räumlichkeiten werden heute durch das Stadtmuseum genutzt.
Bis zum Einbau des heutigen Ratssaales war die Ratswaage der größte verschließbare Raum des Rathauses. In der Nähe der Ratswaage wird sich wohl auch das steinerne Scheffelmaß befunden haben, welches noch heute im Löbauer Stadtmuseum zu besichtigen ist. Mit ihm wurde vor allem die Kornmenge gemessen.
Der Seitenraum der Ratswaage war die frühere „Salzkammer“. Salz war überall begehrt und in bestimmten Regionen rar. Im Mittelalter und in noch späterer Zeit mussten für Salz meistens hohe Summen bezahlt werden, so dass sich Bauern trotz eigener Schlachtung Fleischmahlzeiten nur selten und nur in Maßen leisten konnten, weil dafür Salz zum Pökeln nötig war. Wegen der hohen Wertigkeit und Bedeutung des Salzes war der Salzmarkt ein einer Stadt vom Landesherrn verliehenes Privileg. Es galt innerhalb des Meilenbezirks. Bautzen wurde schon im 14. Jahrhundert vom landesherrlichen Salzmonopol befreit. Auch Löbau erhielt den freien Salzmarkt. Leider gilt das Löbauer Salzbuch von 1470 seit dem Ende des 2. Weltkrieges als verschollen. Einige Daten daraus sind aber als Zitat erhalten.
So wissen wir, dass am 20. Mai 1506 das Privileg des Salzhandels für Budissin erteilt wurde und dieser Gerechtsame auch Camentz und Lobaw zustand. Dieses Hoheitsrecht wurde als „Regal“ vom Rath in seiner Ausführung festgelegt. Ein zuständiger Ratsherr ließ das Salzurbar als Ertragsbuch führen, kontrollierte als Salzherr die Rechnungen und bezog Accidentien für die Amtshandlungen. Nur der Rat durfte das aus Halle stammende Salz in Bautzen abholen lassen, das zum Wochenmarkt verkauft wurde. Jährlich summierte sich der Gewinn auf mehrere Marck Groschen. Der Überschuss ging an den Schosserherrn (Kämmerer).
In der Salzkammer, als festes und trockenes Gewölbe, wurden viele Luben oder Lauben Salz gelagert. Später nutze man den Raum auch als Stadtarchiv und Kassengewölbe.1470 bekam der Salzherr für die Salzurbarverwaltung 1 Lube Salz, eine sicher nicht unbedeutende Menge des kostbaren Minerals. Ähnlich wie die Ratswaage wurde später der Salzschank verpachtet. Für illegalen und privaten Salzhandel gab es hohe Strafen.
Den meisten Gästen wird der „neue“ Ratskeller wenig bekannt vorkommen, da zum Zeitpunkt der Schließung im Jahr 1992 weder die Ratswaage noch die Salzkammer den Gästen zugänglich war. Erinnerungen dürften aber beim Eintreten in das ehemalige „Obere Gastzimmer“ aufkommen. Es wird nunmehr als „Waisenamtsstube“ bezeichnet. Hier befand sich der Sitz des Löbauer Waisenamtes. Es war offensichtlich für alle Vormundschaftsangelegenheiten zuständig, die der Gerichtsbarkeit der Stadt Löbau unterlagen.
In der „Ordnung und Willkür 1581“ von Löbau wurden 4 Ratspersonen zu Waisenherren bestimmt, um die Rechnungen der Vormünder über die Betreuung von Waisen zu prüfen. Nachdem früher einige Waisen im Siechenhause an der Heilig-Geist-Kirche untergebracht waren, wohnten sie ab 1892 in der Totengräberwohnung auf dem Frauenkirchhof.
In der Armenordnung von 1832 war gegen ein gewisses Kostgeld die Waisenpflege durch Unterbringung in ehrbaren Familien vorgesehen. Aufsicht und Erziehung wurden monatlich kontrolliert. 1839 waren noch 3 weibliche Waisenkinder im Armenhause auf dem Taschenberge untergebracht. Später entstand dort das Krankenhaus.
Die Vertreter des 1346 gegründeten Oberlausitzer Sechsstädtebundes, welcher die Städte Bautzen, Görlitz, Zittau, Lauban, Kamenz und Löbau umfasste, tagten bis auf wenige Ausnahmen über Jahrhunderte hinweg im Konvents Zimmer des Ratshauses. Nach ihrem manchmal mehrere Tage dauernden Konvent suchten sie auch stets den Ratskeller auf. Die im Eingang des „alten“ Ratskellers angebrachten Wappen des Sechsstädtebundes befinden sich nunmehr zusammen mit den Fensterläden des ehemaligen Spielzimmers an der Nordwand der Ratswaage. Sie umrahmen eine Kopie des Sechsstädtebundpokals, welcher nach dem im Stadtmuseum aufbewahrten Original gefertigt wurde. Leicht grünliches Glas mit typisch eingeschlossenen Luftblasen (man konnte noch keine reine Glasmasse fertigen) und farbiger Emailmalerei, zeigt die dekorativen Stadtwappen des Bundes. Mit 3 Litern Fassungsvermögen machte der Weinpokal bei den Konventen die Runde. Die Stand- und Urteilsfähigkeit der neuen Abgeordneten wurde geprüft, indem sie selbigen in einem Zuge zu leeren hatten. Nicht immer stählte die trinkfeste Runde ihr Zusammenwachsen, 1597 endete sie eher tragisch. 3 Teilnehmer starben nach wenigen Tagen. Ob der damals von Kamenz mitgebrachte Wein schuld war, ist bis heute nicht geklärt. Verantwortlich für den Pokal und seine Pflege war eine Frau, die Frau des Löbauer Bürgermeisters, so die Weinkellerrechnungen der Stadt Löbau.

Seit 1908 fanden sich die Löbauer Stadtväter alljährlich nach der letzten Sitzung des Jahres zur „Gelben Suppe“ im Ratskeller ein, um in geselliger Runde das Jahr einem ausklingen zu lassen.

Mit dem Ende der Handelsorganisation schloss der Ratskeller 1992 seine Pforten und öffnete erst nach Sanierung im Jahr 2010 wieder. Doch leider blieben bereits 2015 wieder alle Tore verschlossen. Bis heute...

Die Räumlichkeiten

Die Räumlichkeiten

Ratswaage:

In der Ratswaage wurden früher die Waren der Händler auf geeichten Waagen gewogen. Für Markthandel hatte sie somit eine große Bedeutung. Da die Löbauer Ratswaage vom jeweiligen Pächter betreut wurde, stellte Sie für ihn eine zusätzliche Verdienstmöglichkeit da. Bis zum Einbau des heutigen Ratssaales war die Ratswaage der größte Raum des Rathauses.

Heute fungiert die Ratswaage als Gastraum unseres Restaurantbetriebes. Die frühere Waage erstreckte sich über die Länge unserer Theke. Eine Miniatur davon finden Sie an unserer Wand.

 

Salzkammer:

Die Salzkammer im heutigen Löbauer Ratskeller diente früher der Aufbewahrung der städtischen Salzvorräte. Später nutzte man den Raum auch als Stadtarchiv und Kassengewölbe.

Heute befindet sich in der Salzkammer unser kleinster und wahrscheinlich gemütlichster Gastraum, an dem das Interesse sehr groß ist. Egal ob als Rückzugsmöglichkeit, Feier im kleinsten Kreise oder Buffetraum bei größeren Feiern, die wir selbstverständlich auch anbieten.

Wenn Sie gerne mehr über die wunderschönen Wappen erfahren möchten, die sich an unserer Wand befinden, sprechen Sie bitte unsere Servicemitarbeiter an. Sie bekommen dann eine Mappe mit allerhand Informationen.